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Der Richter und sein Henker | Andreas Storm, Stefan Lahr, Brencis Udris | Foto: Judith Schlosser

Wir alle für immer zusammen

Pippi in der Pubertät

Starkes Jugendtheater in Winterthur: «Wir alle für immer zusammen» bringt Guus Kuijers Romanheldin Polleke auf die Bühne.

Von Christine Lötscher
 
«Hey, I’m in love», singt Emiliana Torrini mit ihrer Mädchenstimme aus den Kulissen heraus, dazu tanzt ein blondbeschopftes Wesen wild über die Bühne, buntes T-Shirt, blaue Stiefel, dunkelrote Leggings. Pippi Langstrumpf in der Pubertät? Ja - und nein. Das Mädchen, das ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Theater Winterthur für eine gute Stunde verzaubert, ist tatsächlich eine entfernte Verwandte Pippis. Polleke heisst sie, und sie ist eine Erfindung des unvergleichlichen Guus Kuijer. Der niederländische Kinderbuchautor hat ihr eine ganze Serie von Romanen gewidmet, die sich Mütter und Töchter gegenseitig aus der Hand reissen - denn obwohl er aus Pollekes Perspektive erzählt, versteht er sich genauso gut auf die komplizierte Seelenlage von Erwachsenen im Zeitalter der Patchwork-Familien wie auf jene ihrer Kinder an der Schwelle zur Pubertät.
 

Panorama einer Jugend

Das Leben ist ein Gedicht. Manchmal auch nicht. Das Theater Kanton Zürich zeigt «Wir alle für immer zusammen». Ein Stück Jugend plus.

Von Stefan Busz
 

Blaue Stiefel, rote Tasche, violette Strümpfe, bedrucktes Top, dar­un­ter ein gestreiftes Shirt: So tanzt Polleke, 11, auf die Bühne. Laute Musik, wilde Bewegung, das sind die Farben ihrer Jugend. Im Hintergrund: das Panorama einer Landschaft, die sich aus flächigen Strichen zusammensetzt. Davor eine Art Haltestelle, eine Sitzbank mit Dach unter weitem Himmel (Bühne und Kostüme: Johanna Maria Burkhart). Polleke turnt hier herum, auf einmal steht ihre Welt kopf. Dichterin will sie werden, hat sie in der Schule gesagt. Aber mit einer Dichterin will ihr Freund Mimun nicht zusammen sein, das gehe nicht wegen Religion und so. «Deine Scheisskultur kannst du dir sonst wohin stecken», hat Polleke ihm dann in einem Brief geschrieben. Sie tanzt manchmal aus der Reihe. Das ist ihr Style. Damit ist Polleke aber recht solo. Und Trennungen tun weh.