symbolbild

Wir alle für immer zusammen | Gerrit Frers, Silke Geertz | Foto: Judith Schlosser

Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie

Diesem Don Juan stinkt die Liebe

Es handelt sich bei dem alljährlichen Sommertheater des Theaters des Kantons Zürich (TKZ) gewissermassen um die robusteste Produktion des Jahres. Sie muss nämlich mobil sein und so wetterfest wie möglich, und sie muss sich gelegentlich gegen Auto- und Flugzeuglärm behaupten können oder, wie am letzten Mittwoch bei den Proben im Zürcher Letzibad, gar gegen die Geräuschkulisse eines Fussballmatchs. Das war, als noch halbwegs gutes Wetter herrschte. Als das Projekt Letzibad noch nicht in Regen und Kälte unterging.

Es war ja eine schöne Idee, die Sommersaison mit Max Frischs «Don Juan oder die Liebe zur Geometrie» an Max Frischs Geburtstagswochenende in Max Frischs beliebtestem und (so sagen viele) bestem Werk, eben dem Letzibad, zu eröffnen, bevor die Inszenierung dann losziehen sollte durch den ganzen Kanton. Auf die Kirchplätze und Schulhausplätze, in die Schlosshöfe und Amphitheater, die Park- und Seeanlagen. Stattdessen gab es nun halt die Indoor-Variante im TKZ selbst.

Es geht in diesem «Don Juan» um einen schönen spanischen Eigenbrötler, der in die reine, erhabene Schönheit der Geometrie verliebt ist, aber leider von den Frauen zum Frauenhelden gestempelt wird. Eine Tatsache, die ihm eigentlich furchtbar stinkt. Die Einzige, die er liebt, Donna Anna, verlässt er vor dem Altar, weil er sie aus Versehen in einer dunklen Nacht mit ihr selbst betrogen hat. Mit grossem Brimborium inszeniert dieser Don Juan seine Höllenfahrt, um danach endlich irgendwo in Ruhe weiterzuleben.

Ein frischer Don Juan

Das Theater Kanton Zürich zeigt Max Frischs «Don Juan»

Was Don Juan unwiderstehlich mache für die Damen von Sevilla, das sei seine männliche Geistigkeit, die die Frau von vornherein als Episode einsetze – eine Episode freilich, die schliesslich sein ganzes Leben verschlinge, schreibt Max Frisch im Nachwort zu seiner einzigen Komödie «Don Juan oder die Liebe zur Geometrie», die den Archetypus des Frauenhelden parodiert. Statt für die Damenwelt interessiert sich der Protagonist für die Geometrie. Trotzdem endet Don Juan (Brencis Udris) in jenem «Gefängnis», vor dem er sich so gefürchtet hat; in der Ehe mit der Herzogin von Ronda (Vera Bommer), die zuvor Prostituierte war und wunderschön von ihrem Liebesleid gesungen hatte.

Mit Leichtigkeit

Das Theater Kanton Zürich macht Max Frisch ein Geburtstagsgeschenk. Premiere für «Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie» war am Samstag. Nun geht das Lustspiel auf Tournee.

Wie kommt man in den Himmel? Die Dirne Miranda faltet einen Papierflieger, sie will nicht mehr kriechen wie ein Tier. Don Juan war bei ihr im Freudenhaus, er wollte aber nur mit ihr Schach spielen. Jetzt liebt sie zum ersten Mal wie ein Mensch. O Himmel. Auch Don Juan hat es mit dem Höheren, er lässt von seiner Liebeslaube zwei Ballone fliegen. Im Theater Kanton Zürich fliegen die zwei Ballone aber nur bis zur Bühnendecke. Denn die Aufführung von Max Frischs Komödie «Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie», angesagt im Freibad Letzigraben, musste am Samstag nach Winterthur ins Stammhaus verlegt werden. So oder so kommt Don Juan an seine Grenzen: Er, der keine Frau lieben kann, wird Miranda heiraten. Es ist die Hölle light. Mit Kind und so. Mahlzeit.