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Die Grönholm-Methode
Vier Stellenanwärter im Showroom des Misstrauens
Zürich, Theater Kanton Zürich – An diesem Haus ist was los: Ein neues Ensemble arbeitet an einem neuen Spielplan, und zum Auftakt wird ein Bouquet geboten, ein Fest und drei Premieren in weniger als einem Monat. Auf Dürrenmatts «Richter und sein Henker» folgt nun Jordi Galcerans «Grönholm-Methode». Darin treffen im cleanen Firmensitz von Ikea – die bunten Stühle an der Rückwand lassen keine Zweifel (Bühne: Werner Hutterli) – vier Top Dogs aufeinander, die sich für denselben Kaderjob bewerben. Bloss von der Firma erscheint niemand. Stattdessen spuckt ein Bürokorpus unter ausserirdischen Geräuschen Aufgaben in den Raum. Aber was wird hier genau getestet? Wer schaut zu? Ist einer der vier ein Scheinkandidat? Im Nu wird das Vorzimmer zu einem Showroom des Misstrauens, im kühlen Licht offenbaren sich die wahren Gesichter der Kandidaten. Meint man. Das Stück ist spannend bis zum Schluss, eine kluge Wahl für ein Team, das auf unterhaltsame Stoffe setzt. Regisseur Felix Prader vertraut der Dramaturgie des Stücks, inszeniert zurückhaltend und lässt seinen vier unterschiedlichen Schauspielern Raum. Den nehmen sich diese nach einem etwas steifen Anfang denn auch: Katharina von Bock wechselt von abgeklärter Kühle zu berechnender Freundlichkeit, der dynamische Brencis Udris ist wie Haargel, erst schmierig, dann zerbrechlich, Stefan Lahr ist so unmöglich, dass man mit ihm keine Sekunde im Lift stecken bleiben möchte, und Andreas Storm, ja, Andreas Storm ist einfach wunderbar kompliziert und ein Sibesiech aufs Mal. Gerades Theater ohne viel Schnickschnack, bei dem man bestens unterhalten wird.
Corina Freudiger | © Tages-Anzeiger; 25.09.2010
Psychokrimi mit bösem Schluss
Wer siegen will, muss besser sein als die anderen. Das Theater Kanton Zürich zeigt das perfide Kammerspiel «Die Grönholm-Methode» von Jordi Galceran als hochaktuellen Psychokrimi.Ein lukrativer Job – vier Bewerber. Der spanische Autor Jordi Galceran zeigt in seiner im Jahr 2003 uraufgeführten spannenden Groteske, dass sich der Mensch jeder Perfidie unterwirft, wenn er beruflich etwas erreichen will. Zu vergeben ist der attraktive Posten des Marketing-Direktors von Ikea. Die Bewerber, drei Männer und eine Frau, haben sich zur Endrunde in einem hell beleuchteten Ausstellungsraum mit zahlreichen Stühlen auf Tablaren (Bühne und Kostüme: Werner Hutterli) eingefunden. Sie werden mit einer höchst ungewöhnlichen Testsituation, der «Grönholm-Methode» konfrontiert, in der absonderliche Aufgaben gelöst werden müssen.
Seelen-Striptease für einen guten Job
Vier Bewerber um eine hoch dotierte Kaderstelle treffen unerwartet aufeinander. Nun ist Teamarbeit gefragt. Doch gewinnen wird nur einer.
«Die Grönholm-Methode» feierte am Donnerstag im Theater Kanton Zürich Premiere. Ein Mann in Anzug und Krawatte betritt den Raum, einen Aktenkoffer in der Hand. Er schaut sich um, lockert den Kiefer. Ein zweiter ebensolcher tritt herein und auf den ersten zu: «Sind Sie von der Firma?» «Nein, ich bin der Bewerber.» Wie sich zeigt, wurden vier Bewerber herbestellt, drei Männer und eine Frau. Zum Gespräch, wie sie glaubten. Doch die Personalabteilung der internationalen Möbelfirma, die einen neuen Marketingdirektor sucht, hat etwas anderes mit ihnen vor. Sie sollen Aufgaben lösen; der Beste wird die Stelle bekommen.
Wie von Geisterhand öffnet sich eine Schublade, sie enthält ein Couvert mit den Anweisungen. Einer muss zum Beispiel die Geschichte seiner Depression erzählen und die andern – die sich vorstellen, sie wären seine Chefs – dazu bringen, ihn trotzdem in der Firma zu behalten. Wer es nicht mehr aushält und den Raum verlässt, hat verloren.
Im Kern geht es immer um die Frage, wo die legitimen Interessen der Firma aufhören und die Privatsphäre beginnt. Und wie weit die Bewerber für ihr Ziel zu gehen bereit sind. «Teamarbeit heisst Offenheit», lautet einer der Slogans, die von den Managern ins Feld geführt werden. Offenheit verschafft dem, der sich offen gibt, den Vorteil der Offensive, macht ihn aber auch angreifbar. Und so kommt das Publikum in den Genuss unterhaltsamer Wortgefechte, bei denen nie klar ist, wer die Wahrheit sagt und wer nur so tut.


Info ab 13 Uhr: Telefon 052 232 87 18
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