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In der Nähe der grossen Stadt
Bröckelnde Fassaden
«In der Nähe der grossen Stadt» am Theater Kanton Zürich uraufgeführt
von Anne Suter
Mit der Uraufführung von Ulrich Woelks «In der Nähe der grossen Stadt» startet das Theater Kanton Zürich in Winterthur fulminant in die neue Spielzeit.
«Entweder machen wir jetzt reinen Tisch, oder das hier geht alles kaputt», sagt Vera, die Gattin und Mutter, kurz vor Schluss. Es stellt sich bloss die Frage, was denn noch kaputtgehen kann – wo doch schon alles kaputt ist.
Bereits der Vortag von Theos sechzigstem Geburtstag, an dem sich die ganze Familie im noblen Landhaus in der Nähe einer grossen Stadt versammelt, verläuft alles andere als störungsfrei. Wenn es zu Beginn des ersten Akts hell wird auf der Bühne, erblickt das Publikum die 35-jährige Tochter Jette, die – eingeklemmt zwischen Sofa und Klubtisch – schläft, neben sich eine Schreibmaschine und eine halbleere Flasche Absinth.
Eine ganz normale Familie
Von Michael Graf
Am 60. Geburtstag bricht die Familie auseinander. Das Theater Kanton Zürich begeisterte am Donnerstag mit der Uraufführung von Ulrich Woelks «In der Nähe der grossen Stadt». Es könnte ein Bühnenbild für einen Schwank sein: Vier Türen führen ins Wohnzimmer der Malers, zwei Glastüren zum Garten. Doch das Lachen bleibt dem Publikum meist im Halse stecken. Für sein zweieinhalbstündiges Familiendrama hat Ulrich Woelk dem Ensemble des Theaters Kanton Zürich Figuren auf den Leib geschrieben, die authentischer sind, als es manchem lieb wäre. Dieser Familie entkommt man so wenig wie der eigenen.
Auf der Flucht
Jette (Vera Bommer) ist ins elterliche Heim zurückgekehrt, vorübergehend. Seitdem die sensible Schriftstellerin einen wichtigen Literaturpreis gewonnen hat, ist sie auf der Flucht vor der Presse und vor ihrer Depression. Verkatert erwacht sie neben dem Ledersofa. Mutter Vera (Suly Röthlisberger) eilt mit Kaffee und mütterlichem Rat zu Hilfe. Nicht komplett uneigennützig. Die ehemalige Schauspielerin hofft, in einem von Jettes Stücken auf die Bühne zurückzukehren, die sie einst für das Familienleben hier in der Agglomeration aufgegeben hat. Hausherr Theo Maler (Stefan Lahr), könnte dagegen kaum fideler sein. Morgen feiert der drahtige Frührentner seinen 60. Geburtstag. Seit er in einem mysteriösen Unfall seine rechte Hand verletzte, geniesst der Chirurg seinen vorzeitigen Ruhestand. Noch im Bademantel genehmigt er sich seinen ersten Cognac.


Info ab 13 Uhr: Telefon 052 232 87 18
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